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Der betriebliche Vorsorgekuchen bröckelt weiter ab

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch, 27. Oktober 2009. Link stocks.

Der staatlich geförderte, öffentliche Tanz um den Deckungsgrad schürt den Kampf um den einträglichen Vorsorgekuchen. Profiteure und «Mitesser» lassen ihn kontinuierlich schrumpfen. Leidtragende sind die Versicherten. Neben regulatorisch verordneten, unkontrollierten Vermögensumverteilungen bei Abweichungen von der 100-Prozent-Marke müssen sie immer kleinere Kuchenstücke hinnehmen.

Qualität, Grösse und Wachstum des Vorsorgekuchens werden bestimmt durch zufliessende Beiträge, Zutaten in Form von Erträgen sowie den inneren Schwund wegen Verwaltungs- und Absicherungskosten. Die angerichteten Kuchen unterscheiden sich von Kasse zu Kasse stark. Weil zudem ihre Verteilung auf unterschiedlich geartete Tischrunden erfolgt, sind generelle Leistungsvorgaben mittels Gleichmacherei von Zinsen und Umwandlungssätzen unerhört. Für Vorsorgegemeinschaften mit tiefen Lebenserwartungen, wie beispielsweise im Baugewerbe, sind die gesetzlich verordneten Anteile am Kuchen lächerlich im Vergleich zu Gemeinschaften von Lehrern und Geistlichen, die statistisch im Mittel bis zu 10 Jahre länger leben.

Was läuft schief in der beruflichen Vorsorge? Der Grund der konträren Leistungsreduktion ist eine kontinuierlich abnehmende Leistungsbereitschaft der Vorsorgeeinrichtungen. Seit der Regulator 1985 mit dem Rahmengesetz BVG das Szepter über die betriebliche Vorsorge übernommen hat, sind früher spriessende Renten um über 30 Prozent gefallen. Weitere Kürzungen sind angesagt, weil die Vorsorgezutaten gesetzlich limitiert und gleichzeitig die Verarbeitungskosten massiv erhöht wurden.

Als Investoren in die Motoren der Wirtschaft können Pensionskassen doppelt soviel erwirtschaften wie als Kreditgeber. Erträge aus Aktien sind die mit Abstand wichtigste Zutat für den Vorsorgekuchen. Sie sind werthaltiger gegenüber Immobilien und diese wiederum einträglicher als Obligationen. Der Aktienanteil in den Pensionskassenportfolios ist dennoch auf einem historischen Tiefststand angelangt, paradoxerweise wegen ihren Preisnachlässen. Letztere sind das Ergebnis von Herdentrieb und Spekulation an den Märkten und haben nur wenig mit der Qualität des Vorsorgekuchens zu tun. Dennoch bilden sie die entscheidenden Grössen in grundsätzlich falsch konzipierten Modellen der Anlageberater, die vom Regulator ausgesandt werden, um die tumben Stiftungsräte und ihre Experten zu beraten und kontrollieren.

Ihre austauschbaren, teuren Checks erfolgen in immer kürzeren Abständen, vornehmlich in Form von Analysen zum Asset-Liability-Management. Deren Ableitungen beruhen auf unrealistischen Annahmen über effiziente Märkte, welche hoch gepriesene Nobelpreisträger wie Markowitz, Samuelsen, Fama, Jensen und Sharpe ihren Modellen zugrunde gelegt haben. Die Konklusionen sind unbrauchbar, weil die gegenseitigen Reaktionen der Marktteilnehmer vollständig ausgeblendet werden. Warren Buffet, der weltweit erfolgreichste Anleger, hat das Capital Asset Pricing Model, welches diesen Theorien entspringt, als untauglich bezeichnet. Er plädiert für Anlagen in Unternehmen, deren Geschäftsmodell und Marktumfeld vollständig verstanden wird und verzichtet auf «Schrottanleihen» und den Einsatz von Hedge Funds.

Hätte man im Jahr 1957 eintausend Dollar in seinem Sinne angelegt, dann wäre man nach 30 Jahren Multimillionär gewesen. Mit einer Anlage in eine Rentenversicherung hätte man im besten Fall wieder 10'000 Dollar bekommen, und mit einer jährlichen Verzinsung mit vier Prozent, dem ursprünglichen Satz im BVG, hätte man mit etwas über 3000 Dollar rechnen können.

Ähnliche Verhältnisse lassen sich weltweit beobachten. Historische Aufzeichnungen in der Schweiz zwischen 1925 und 2008 zeigen folgendes Bild: Mit 100 Franken konnte mit Obligationen in 40 Jahren ein Vorsorgekuchen von mindestens 351 Franken zubereitet werden. Im Maximum hat er 1270 Franken erreicht, etwas weniger als der minimale Aktienkuchen. Der grösste Kuchen mit Aktien hat 10'264 Franken betragen. Er hat acht- bis 34-mal höhere Renten zugelassen als die Obligationenkuchen. Am Rande vermerkt: In jedem Fall haben die retrospektiv berechneten Umwandlungssätze über acht Prozent betragen.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück


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