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Wie sicher ist die 2. Säule?

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 26. Juli 2010. Link stocks.

Kürzlich aufgedeckte, aber noch nicht geklärte Vorgänge in der Pensionskasse des Kantons Zürich (BVK) leiten Wasser auf die Mühlen von Akteuren, die ihren Erfolg auf Angst begründen und nicht müde werden, die Sicherheit der 2. Säule anzuprangern. Auf falsch verstandene Risiken bezogen, schwächen die vorgeschlagenen Massnahmen die betriebliche Altersvorsorge insgesamt.

Wer die Sicherheit von Pensionskassen beurteilen will, muss ihr Werden, das Wesen und ihre Charakteristik zu Grunde legen. Bei Vorsorgeeinrichtungen schweizerischer Prägung handelt es sich um verselbstständigte, vereinigte Vermögen von Arbeitnehmern in Form von Stiftungen. Darin werden Lohnteile zusammengelegt, mit der Hoffnung, dass die Beitragszahler im Alter eine Rente erhalten, welche ihnen die Fortführung der gewohnten Lebenshaltung ermöglicht.

Pensionskassen verfolgen keinen Selbstzweck. Sie müssen in erster Linie hohe Renten für ihre Mitglieder erwirtschaften, die der zunehmenden Lebenserwartung und der Entwicklung der Wirtschaft Rechnung tragen. Dazu muss die Vermögenssubstanz langfristig kollektiv erhalten und kurzfristig individuell geschützt werden, vor allem bei Arbeitsplatzwechseln. Geschaffene Mehrwerte sind mit materiellem und zeitlichem Ausgleich gerecht unter den Eignern zu verteilen.

Pensionskassen können diese Vorgaben nur mit einer kosteneffizienten Verwaltung erreichen, die den Ertrag langfristig maximiert. Ihre Mitglieder tragen das Risiko, dass Vermögen oder Teile davon verloren gehen, umverteilt werden oder deren Entwicklung nicht mit dem Wachstum der Wirtschaft mithält. Vorsorgeeinrichtungen, die nicht allen Mitgliedern einen gleichmässigen, nachhaltig positiven Nutzen vermitteln können, verlieren im Extremfall ihre Existenzberechtigung.

Individuelle Vorsorgezyklen von 60 und mehr Jahren, die sich gegenseitig überlappen, erlauben grundsätzlich langfristige Dispositionen. Systemische Mängel und regulatorische Zwänge können Pensionskassen dagegen zu kurzfristigem, ineffizientem Handeln nötigen, das einerseits die Vermögenssubstanz akut gefährdet und anderseits die langfristigen Erträge reduziert. Zielaverse Handlungen werden in bewusst aus Laien bestellten Organen mit charakterlichen Unzulänglichkeiten provoziert und gefördert. Fehlende Professionalität in den Leitungs- und Führungsorganen begünstigt den Durchbruch von kriminellen Energien sowie, mit analogen und oft gravierenden Auswirkungen, von Umverteilungen gegen den Willen der Individuen.

Schweizer Pensionskassen sind dank ihrer Unabhängigkeit zwar geeignet, ihren Mitgliedern eine sichere Zukunft zu gewährleisten. Sie müssen aber unternehmerisch geführt werden. Neben einer starken Führung und Kontrolle sind ein professionelles Management und die Entwicklung von relevanten Steuerungsinstrumenten gefordert. Nur mit nachweisbaren Erfolgen kann positiver Druck zur Beseitigung von geschäftsschädigenden, gesetzlichen Auflagen aufgebaut werden.

Für die langfristig ausgelegte wirtschaftliche Transformation von Beiträgen in Renten ist der konstante Einsatz von ertragsstarken Anlagevehikeln unabdingbar. Das Schweizer Pensionskassenvermögen ist derzeit durchschnittlich zu rund zehn Prozent in Cash, 15 Prozent in Aktien, 50 Prozent in Obligationen, 15 Prozent in Immobilien und zehn Prozent in diversen anderen Anlagen investiert. Mit einer Verschiebung dieser Portfoliostruktur zugunsten von Aktien und Immobilien kann die Effizienz und damit die Sicherheit der betrieblichen Altersvorsorge massgeblich und nachhaltig verbessert werden.

Mit einem erhöhten Aktien- und Immobilienengagement eröffnet sich der betrieblichen Altersvorsorge ein beträchtliches Steigerungspotenzial. Die Altersrenten können auch bei zunehmenden Laufzeiten um mindestens die Hälfte erhöht werden. Mit dieser Strategie konnte beispielsweise die Sammelstiftung Profond weit überdurchschnittliche Leistungen generieren. Seit Bestehen wurde über 20 Jahre lang im Mittel eine Performance von 5,8 Prozent erzielt. Profond konnte damit Zinsgutschriften von durchschnittlich 4,7 Prozent gewährleisten und einen Umwandlungssatz von 7,2 Prozent halten. Die Wertschöpfung reichte daneben für mittlere jährliche Rentenerhöhungen von 0,8 Prozent.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück

 


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