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Nullzins für BVG-Vorsorge

Impressum: Autor ist Thomas Hengartner – Artikel erschienen in Finanz- und Wirtschaft Nr. 64 am 13. August 2011.

Leistung je nach Lage jeder Kasse

Die Börsenbaisse bringt zumindest in der Stichtagbetrachtung die Deckungsverhältnisse der schweizerischen Pensionskassen unter Druck. Obwohl die gut 2000 selbständigen Betriebsvorsorgewerke divergierende Vermögens- und Verpflichtungsstrukturen haben, ist ausgehend vom Pictet-Pensionskassen-Index im bisherigen Jahresverlauf dennoch eine Schwächung des Deckungsgrads um durchschnittlich 7% zu befürchten. «Pensionskassen sollten dennoch vollkommen normal an das Anlagegeschäft herangehen», sagt Herbert Brändli. Der Präsident der KMU-Sammelstiftung Profond spricht sich wegen der Langfristigkeit der Vorsorgeverpflichtungen gar für Aktienkäufe aus: «Jetzt sind Papiere von Unternehmen mit besten Qualitätsmerkmalen zu Tiefpreisen zu haben.» Allein die erwartbare Dividendenrendite mache solche Investments hoch attraktiv.

Deckungsgrad nebensächlich

Ende 2010 erreichten gemäss einer Umfrage von Swisscanto die privatwirtschaftlichen Kassen im Schnitt einen Deckungsgrad von 106% und die öffentlich-rechtlichen Vorsorgeträger ein Niveau von 91%. Dass wegen der inzwischen eingetretenen Verschlechterung viele Betriebskassen in Unterdeckung geraten sind und womöglich Sanierungsmassnahmen zu erörtern beginnen, lässt Brändli nicht gelten: «Marktwertschwankungen sind im Vorsorgegeschäft in Kauf zu nehmen.» Das traut sich die aktienlastig investierende Profond Vorsorgeeinrichtung zu. Sie betreut gesamthaft 3,5 Mrd. Fr. Vorsorgegelder von rund 35 000 Personen. Zur Jahresmitte wies sie einen Deckungsgrad von 94,9% aus. Wichtig sei, auf Substanz und Qualität der Anlagen zu achten, ergänzt Brändli. Diese Kriterien erfüllten Investments in die Realwerte Immobilien und Aktien. «Allerdings gilt es, das wirklich Gute zu finden – Liegenschaften mit gesicherter Vermietbarkeit sowie Aktien absatz- und ertragsstabiler Unternehmen.» Im Anleihenbereich empfiehlt Brändli, gänzlich auf Frankenpapiere zu setzen, um Währungsrisiken zu begrenzen. Auch in der diesjährigen Aktienbaisse hilft die zinsrückgangsbedingte Aufwertung der Anleihenbestände, die Schwankung eines pensionskassentypisch aus Aktien wie auch Obligationen bestehenden Vermögens zu glätten (vgl. Grafik).

Ertragsbedarf trotz Baisse

In der eingangs für die schweizerische Vorsorgebranche geschätzten Deckungsgradeinbusse des bisherigen Jahresverlaufs eingerechnet ist zusätzlich zur Minusperformance der Ertragsbedarf. Aufgrund der Zinspflichten beträgt er je nach Konstellation einer Kasse jährlich 3 bis 5%. Für das Obligatorium der beruflichen Vorsorge (betrifft Jahreslöhne bis gut 83 000 Fr.) ist nach BVG-regulativ ein Mindestzins von 2% festgeschrieben. Auf eine solche Zinsvorgabe sollte verzichtet werden, meint Brändli: «Es müsste die Aufgabe der Verantwortlichen jeder Kasse sein, mit Sicht auf die eigene Finanzlage über die Verzinsung der Sparguthaben zu befinden.» Gemäss bisheriger Praxis legt die Landesregierung den für das folgende Geschäftsjahr geltenden BVG-Mindestzins bereits im Herbst fest. Sie kann die 2%-Vorgabe für 2012 anpassen, muss es aber nicht zwingend tun. Absehbar ist, dass die Vorsorgebranche deswegen in den kommenden Wochen Druck auf den Bundesrat aufbauen wird.


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