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Für und wider einen fairen Umwandlungssatz

Impressum: Autor ist Herbert Brändli, Geschäftsführer B+B Vorsorge AG – Artikel in Handelszeitung, Seite 25, 12. Januar 2010. 

Der Bundesrat im Verein mit dem Wirtschaftsdachverband Economie-Suisse und den bürgerlichen Parteien macht sich stark für eine rasche Senkung des Umwandlungssatzes. Sie wollen damit die Pensionskassen retten, die in Gefahr seien, weil das Alterskapital für immer mehr Jahre reichen müsse und die notwendigen Erträge nicht mehr erzielt werden könnten. Diese Argumente zielen weit an den wahren Problemen der zweiten Säule vorbei.

Im Wissen, dass Pensionskassen solidarisch agierende Selbsthilfeorganisationen sind, in denen alle ihre künftige Rente selbst finanzieren, kann niemand im Ernst nein sagen zu einem fairen Umwandlungssatz. Weil jede Pensionskasse für ihre eigene Sicherheit besorgt sein und darum die Leistungen auf den eigenen Erfolg und die Eigenheiten ihres Bestandes ausrichten muss, gibt es unzählige faire Umwandlungssätze. Weil beispielsweise Bauleute viel weniger lang leben als Lehrer, müssten sie der Fairness halber einen viel höheren Umwandlungssatz haben als jene.

Arbeitnehmer sind teils gezwungenermassen traditionell unvollständig und falsch über ihre Vorsorgeansprüche informiert. Dennoch sollen sie am 7. März über Umwandlungssätze abstimmen. Sie müssen damit über die Höhe der Erträge von Pensionskassen und ihre eigene Lebenserwartung, die beiden einzigen Bestimmungsgrössen des Umwandlungssatzes, entscheiden. Dafür werden sie von oberster Stelle für dumm verkauft und mit tendenziös ausgewähltem Datenmaterial und absonderlichen Prognosen Umverteilungs- und Existenzängsten ausgesetzt. Die Altersguthaben werden kindlich mit einem Kuchen verglichen. Je tiefer der Umwandlungssatz, desto kleiner die Tranchen und desto länger kann davon gegessen werden, wird lapidar vermerkt. Damit wird der Anschein erweckt, dass mit der zunehmenden Lebenserwartung ein neues Risiko für Pensionskassen geschaffen wurde.

Die Bereitstellung von Kapital für lebenslange Altersrenten ist die zentrale Aufgabe von Pensionskassen. Seit es sie gibt, nimmt die Lebenserwartung pro Dekade um 5 Prozent zu. Entsprechend wurden die Deckungskapitalien von angehenden und laufenden Renten immer vorsorglich verstärkt. Dazu waren Erträge von 0,2% notwendig. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass diese Zusatzerträge künftig nicht mehr erarbeitet werden können. Wenig Besorgnis besteht auch bezüglich der allgemeinen langfristigen Ertragsmöglichkeiten, die, betrachtet man den Durchschnitt der vergangenen 100 Jahre, nominell zwischen 6 und 8 Prozent liegen.

Der wahre Grund für die schwindende Effizienz von Pensionskassen sind ihre Mitesser in Form von Managern, Anlageberatern und Versicherungsgesellschaften. Sie erwirtschaften keine Erträge für die Versicherten sondern machen mit deren Geld auf deren Kosten Gewinne, ohne dafür die geringste Verantwortung zu übernehmen. Diese Geschäftsmodelle sind mit der Idee von Zwangssolidargemeinschaften nicht vereinbar. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, damit die Leistungen nicht weiter reduziert werden müssen. Zurück

 

 


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2 Kommentare

Walter Heutschi
03.02.2010 12:36

Wenn eine Altersrente ca 20 Jahre halten muss, warum nimmt Herr Freiburghaus für die Renditenberechnung nur 11 Jahre? Weil da die meisten Taucher drin sind?
Wenn ich die Renditezahlen auf der Homepage anschaue komme ich in diesen 11 Jahren auf mehr als nur 2.5%. Wenn ich alle verfügbaren Zahlen der Homepage verwende (15 Jahre) komme ich auf über 5% im Durchschnitt.
Das spricht doch für Profond!

Martin Freiburghaus
16.01.2010 15:32
Eine Altersrente muss ca 20 Jahre lang ausbezahlt werden. Beim angwandten Umwandlungssatz von 7.2% der PK Profond ist eine Rendite von über 4% nötig. Die PK Profond hat in den letzten 11 Jahren (1999 bis 2009) nur eine Rendite von 2.5% erzielt. Die Profond muss überzeugt sein, in den nächsten Jahren wieder hohe Aktiengewinne einzufahren, um die nötige Rendite zu erzielen. Da zweifle ich ein wenig.