Sanierungsfall Profond?
Impressum: Herbert Brändli, PK-Experte, Präsident des Stiftungsrates der Profond Vorsorgeeinrichtung, 8800 Thalwil, 24. November 2008
Keine Leistungskürzungen
Die Versicherten verlieren bei Profond trotz der Finanzkrise keinen Rappen. Die laufenden Renten werden nicht gekürzt und die angehäuften Altersguthaben der Aktiven werden bis zur Pension weitergeführt und dann mit 7,2 Prozent verrentet. Allerdings wird die Verzinsung der Altersguthaben über die nächsten Jahre nicht mehr so hoch sein, wie in den letzten paar Jahren, wenn sich die Börsen nur langsam erholen werden, wie namhafte Ökonomen heute vermuten.
Pensionskassen sind allgemein äusserst robust gegenüber Marktschwankungen und können und sollen im jetzigen Umfeld als stabilisierende Kraft eingesetzt werden. Sie haben grundsätzlich keine Schulden und zumeist, wie bei Profond, sind die laufenden Einnahmen grösser, als die Zahlungen für Leistungen. Jetzt, wegen börsenbedingten Unterdeckungen, der durchhängenden Realwirtschaft mit Sanierungsbeiträgen zusätzliche Mittel abziehen, ist ein wirtschaftlicher und vorsorgetechnischer Unsinn.
Sanierungsmassnahmen
Aus wirtschaftlicher und versicherungstechnischer Sicht sind keine Sanierungsmassnahmen notwendig. Allenfalls wird aber die Behörde einzelne Pensionskassen dennoch dazu nötigen, weil sie zu sehr auf einen ständigen Deckungsgrad von 100 Prozent fixiert ist. Ob und was für Massnahmen bei Profond getroffen werden, ist im Moment offen. Unter Umständen ist es möglich, dass 2009 nur im minimalen gesetzlichen Rahmen verzinst wird. Damit würden die Mitarbeitenden wenig und, wenn man die Vergangenheit betrachtet, auch nicht nachhaltig belastet. Versicherte, die schon längere Zeit Profond angeschlossen sind, hätten immer noch eine Durchschnittsverzinsung, die über der Verzinsung der meisten anderen Pensionskassen liegt.
Eine Nullverzinsung wurde beispielsweise im Jahr 2002 angeordnet. Was war die Folge? In den anschliessenden Jahren konnte Profond folgende Verzinsungen vergüten:
2003 4 %
2004 4 %
2005 6 %
2006 5 %
2007 4 %.
Hätte Profond immer nur die gesetzlichen Zinsen ausgeschüttet, wären statt Leistungen Wertschwankungsreserven aufgebaut worden und Profond wäre heute kaum in Unterdeckung. Sie schüttet in guten Jahren aber lieber ihre Gewinne den Mitarbeitenden aus und verzichtet dafür in mageren Jahren auf eine Verzinsung.
Überbrückung versus Sanierungsbeiträge
Für den Fall, dass die Behörden Sanierungsbeiträge verlangen, fasst Profond eine Überbrückungsfinanzierung zur temporären Anhebung des Deckungsgrads ins Auge. Auch diese Massnahme hat sie bereits 2002 umgesetzt. Die «Sanierungsbeiträge» wurden so kalkuliert, dass mit dem entsprechenden Beitragsbarwert die Bilanz wieder in’s Lot gekommen ist. Die Zusatzbeiträge wurden den einzelnen Versicherten gutgeschrieben und ihnen wieder zur Verfügung gestellt, sobald sich die Börse erholt hatte. Damit mussten die Jungen nicht zu Lasten der Alten für den Börseneinbruch geradestehen und es gab keine Umverteilungen zwischen den Generationen.
Auch im heutigen Fall wird Profond den Zusatzbeitrag so kalkulieren, dass mit dem Beitragsbarwert ein momentanes technisches Defizit so weit notwendig ausgeglichen werden kann. Die Zusatzbeiträge sind schwer abzuschätzen. Sie dürften sich angesichts der herrschenden Volatilität des Deckungsgrads zwischen 0 und 2 Lohnprozenten bewegen. Die Jungen werden diese Zwischenfinanzierung wieder nicht auf ihre Kappe nehmen müssen. Die Sanierungsbeiträge würden wiederum als Beitragsreserven geplant, und können später, wenn sich der Sturm gelegt hat, in Altersguthaben umgewandelt oder zur Finanzierung von ordentlichen Beiträgen verwendet werden.
Langfristig im Gleichgewicht
Profond erstellt zur laufenden Überprüfung ihrer Sicherheit eine versicherungstechnische Bilanz. Diese ist langfristig ausgelegt und vergleicht künftige Einnahmen (Beiträge und Erträge) mit künftigen Ausgaben (Leistungen und Kosten). Es macht keinen Sinn, diese Bilanz tages- oder auch monatsgerecht nachzuführen. Die momentan beobachtbaren hohen Marktvolatilitäten verfälschen sie und die erwünschte, langfristige Aussagekraft geht verloren. Wegen der Verwerfungen an der Börse hatte Profond im Monat Oktober eine Minusperformance von 13,8 Prozent und seit Jahresbeginn ergab sich bis zum 31. Oktober 2008 eine kumulierte Performance von -24,2 Prozent. Unschwer abzuleiten, dass der Deckungsgrad zu diesem Zeitpunkt unter 90 Prozent gelegen hat, d.h. Profond befindet sich unvermittelt in einer erklecklichen Unterdeckung. Und trotzdem ist ihre Leistungs- und Risikofähigkeit nicht in Frage gestellt.
Anlage in Produktionsfaktoren
Profond kann den eingegangenen Leistungsverpflichtungen ungebrochen nachkommen. Daran wird auch eine weitere vorübergehende Verschlechterung des Deckungsgrads nichts ändern, weil der laufende Beitragseingang den Leistungsabfluss bei weitem übersteigt, was auch in den nächsten zig Jahren der Fall sein wird. Profond produziert somit laufend neuen Anlagebedarf. Der Kapitalstock als Ertragslieferant und Polster für ferne Leistungsverpflichtungen kommt wieder ins Lot, weil Profond weltweit schwergewichtig in Produktionsfaktoren investiert. Profonds Benchmark orientiert sich nicht an der Börse. Mit ihren Anlagen will sie die Entwicklung der Weltwirtschaft (6 bis 8 Prozent) nachvollziehen. Darum hat sie sich schon vor längerer Zeit von unproduktiven, so genannt sicheren, Anlagevehikeln verabschiedet und musste dafür keine Totalverluste hinnehmen. Es bestehen daher gute Aussichten, dass sich die Buchverluste auf den Aktien auswachsen und der Deckungsgrad sich erholen wird, lange bevor der wachsende Kapitalstock angezapft werden muss.
Keine Schwächung des dritten Beitragszahlers
Die berufliche Vorsorge erweist sich gegenüber der Finanzkrise als äusserst robust, soweit sie sich an der Realwirtschaft orientiert. Ob jetzt mit Sanierungsbeiträgen der durchhängenden Realwirtschaft zusätzlich Mittel entzogen werden sollen, die nachher in Pensionskassen brach liegen, wird zu einer existenziellen Frage. Die Antwort von Profond lautet klar Nein. Darum hält sie an der eingeschlagenen Anlagestrategie fest und kauft wegen der sinkenden Börse laufend Beteiligungen an zukunftsträchtigen Unternehmen zu. Die Strategie ist das Herz der versicherungstechnischen Bilanz und bildet die Grundlage für den dritten Beitragszahler, welcher die Existenz von Pensionskassen überhaupt erst rechtfertigt. Er darf nicht ohne triftige Gründe geschwächt werden.
Die Risikofähigkeit ist durch die Langfristigkeit des Vorsorgewesens gegeben. Sie kann höchstens durch Liquiditätsengpässe eingeschränkt werden, die zu unzeitgemässen Realisierungen von Anlagen zwingen. Wird der Langfristcharakter von Anlagen und Verpflichtungen unnötig unterbrochen, können sich auf der Verpflichtungsseite, namentlich beim Wechsel zwischen Vorsorgestiftungen, finanzielle Schwierigkeiten einstellen. Diesem Risiko kann man mit Sanierungsbeiträgen nicht wirksam begegnen. Hiezu müssen gravierende systemische Mängel der Freizügigkeitsregelung ausgemerzt werden. Der Finanzkrise sei Dank, dass diese Systemmängel deutlich zu Tage treten. Nun sollten sie endlich behoben werden.
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