Was ist RSS? | Newsticker abonnieren FR | IT | ENSitemapStartseite | Jobs | Kontakt suchen

Vertrauen in die Wirtschaft

Impressum: Herbert Brändli, Stiftungsratspräsident Profond – Ansprache an der GV 07 der Profond-Vereinigung, am 21. Juni 2007 in Zürich, Sihlcity

Die Präsentationsfolien Profond GV 2007 (Powerpoint)

Der Profond-Geschäftsbericht 2006 (pdf)

Heute vor einem Jahr habe ich die Generalversammlung eröffnet mit den Worten: «Zurück zum Start». Nach einer zwischenzeitlichen aufgelaufenen Performance von rund 4% im März, waren wir bis zur Jahresmitte wieder bei Null angelangt. Wir im Stiftungsrat und wahrscheinlich auch Sie waren nach dieser ernüchternden Feststellung zumindest leicht frustriert.

Dafür wurden in den Teppichetagen der Versicherungsgesellschaften vor Schadenfreude Purzelbäume geschlagen. Mit Fingern wurde auf uns gezeigt: «Die Profond verspricht zu hohe Leistungen und nimmt zuviel Risiken» und fortwährend müssen wir uns für die «zu hohe Verzinsung» und die «zu hohen Umwandlungssätze» rechtfertigen. Makler haben uns zugetragen, dass ihnen Sonderprovisionen versprochen wurden, für den Fall, dass Sie unsere Anschlusspartner wieder in den vermeintlich sicheren Schoss der Versicherer zurückführen würden.

Trotz der zwischenzeitlichen Nullperformance musste Profond natürlich die Rentendeckungskapitalien und die Altersguthaben intern weiter verzinsen, was den Deckungsgrad direkt nach unten beförderte: Ein gefundenes Fressen für umtriebige Risikoadjustierer und selbsternannte Experten, die Probleme lösen wollen, die es ohne sie gar nicht gäbe: Sie zelebrieren den Verlust von Schwankungsreserven und nutzen die Erkenntnis, dass Anleger Kursverluste und Kursgewinne unterschiedlich beurteilen.

Kursverluste schmerzen in der Regel stark. Wenn Kursgewinne mindestens so weh tun müssten, weil man nicht genügend investiert ist, treten hingegen kaum Schmerzen auf. Diese mangelnde Balance zwischen Risiken und Chancen mag die grassierende Lust nach teuren Hedge Funds und Kapitalschutzprodukten erklären. Unter dem Motto «Wir wollen für Euch kein Geld verlieren» versprechen diese einen absoluten Return ohne Risiken. Sie finden unter den verunsicherten Pensionskassen, trotz schamlosen Kosten, reissenden Absatz. Missverstehen Sie mich bitte nicht falsch: Hedge Funds sind, wie übrigens auch Versicherungen, hervorragende Anlagevehikel – für Manager, Banken und Berater – aber leider nie für die Anleger.

Im Verein mit der Beratergilde beherrschen die Anbieter dieser Produkte das Spiel mit der Angst vorzüglich. Erst kürzlich wurde wieder ein ausgeklügeltes Modell vorgestellt, das es den Pensionskassen erlaubt, die Bewegungen der Finanz- und Kapitalmärkte unmittelbar auf den eigenen Deckungsgrad zu projizieren. Das erlaubt ihnen das Auf und Ab «real time» zu verfolgen. So wird in Pensionskassen die Kadenz von Frustrationen erhöht, und mit der zunehmenden Wahrscheinlichkeit von negativen Erfahrungen wird die Wahrnehmung der effektiven ökonomischen Charakteristik von Anlagen immer mehr verwischt.

Zufällige Ereignisse können täuschen …

Zufällige Ereignisse können täuschen …

Taleb, Nassim N. (2001): Fooled by Randomness: The Hidden Role of Chance in the Markets and in Life.

Bei der rapid zunehmenden Flut von Enttäuschungen braucht es ein gehöriges Nervenkorsett, um eine gewählte Anlagestrategie durchzuziehen. Dann sind die «Experten» wieder gefragt. Der von ihnen losgetretene Trend zur Negierung und Ausschaltung von Risiken verkennt hingegen, dass Unsicherheit all das bewirkt hat, was wir heute Fortschritt nennen. Hoch und Tiefs der Börse sind «Part of the deal» und fester Bestandteil des Systems. Wer sich darin bewegen will kann sie weder vertuschen noch verdrängen.

Risikolos macht chancenlos! Darum muss der Umgang mit der Unsicherheit von Finanz- und Kapitalmärkten wieder normalisiert werden. Mit der Beantwortung der Frage: «Wodurch lasse ich mir bange machen, was will und kann ich akzeptieren?» finden wir zur Souveränität zurück, die es braucht für eine gesunde, nachhaltige Wertschöpfung der Pensionskassen. Wäre Profond Mitte letztes Jahr den Risikoflüsterern gefolgt, stünde sie heute noch immer am Start. Statt dessen kann sie auf ein weiteres, überdurchschnittlich erfolgreiches Jahr zurückschauen.

In der 2. Säule beruhen Altersrenten nicht auf Kalkulationen, Prognosen oder Deckungsgraden: Im Kapitaldeckungsverfahren zählen die erwirtschafteten Werte. Nur was man hat kann verteilt werden. Neben den einbezahlten Beiträgen bestimmt die Wertschöpfung das Leistungspotential und den Wirkungsgrad der Pensionskassen.

Verlassen wir darum das Parkett der Vermutungen und Spekulationen und betrachten die Wertschöpfung. Am Beispiel eines aktiven Versicherten wird gezeigt, wie Profond die Leistungen aufbaut und finanziell absichert.

A) 1991: Eintritt Mann Alter 50
eingebrachte Freizügigkeitsleistung: FZL = CHF 200'000.–
versicherter Lohn: LV = CHF 50'000.–.

Wertschöpfung der Profond 1991 bis 2006

01.1991: Eintritt Mann Alter 50; FZL = CHF 200'000.–
LV = CHF 50'000.–
12.2006: Pensionierung (Mitgliedschaft 16 Jahre)

Wertschöpfung

Die Wertschöpfung und die Leistungen der Profond lagen von 1991 bis 2006 bedeutend über den politischen Vorgaben

Im Beispiel hatte der Gesetzgeber bei einem Beitragsaufkommen von CHF 327'500.– ursprünglich, d.h. von 1985 bis 2006 eine Wertschöpfung von CHF 200'875.– verlangt. Mit Versicherungen konnte dieses bescheidene Ziel nicht erreicht werden. Die Ziele wurden darum entgegen der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, auf CHF 174'581.– reduziert, was einer sachlich und wirtschaftlich nicht gerechtfertigten Reduktion der gesetzlichen Minimalrente von CHF 38'043.– um 6,3% auf CHF 35'648.– entspricht.

Die Wertschöpfung der Profond hat während dieser Zeit CHF 420'739.– betragen. Vom gesamten vorhandenen Vermögen (Beiträge plus Wertschöpfung) von CHF 748'239.– wurden CHF 627'696.– für die versicherungstechnisch korrekte Ausfinanzierung einer Altersrente von CHF 42'815.– verwendet. Ihre Berechnung erfolgte mit dem Umwandlungssatz von 7,2%. Die Profond-Rente lag damit 20% über der BVG-Altersrente.

Die Wertschöpfung von Profond hätte ohne weiteres einen Umwandlungssatz von 7,5% erlaubt. Bei der Pensionierung stünden so für Administrationskosten und Schwankungsreserven bei einem Deckungsgrad von 114,1% immer noch freie Mittel von CHF 92'365.– zur Verfügung.

Sparphase

Verlauf von Beiträgen, Altersguthaben (BVG und Profond), sowie Deckungskapital und Vermögen von 1991 bis 2006

Sparphase

Bruno Gehrig, der oberste Boss von Swiss Life, durfte sich kürzlich in der Sonntagszeitung öffentlich darüber ärgern, dass die gesetzlich geforderten Minimalrenten viel zu hoch seien. Er setzt sich im Verein mit anderen Versicherungsgesellschaften für eine weitere drastische Senkung der Umwandlungssätze ein, weil die Jungen die zu hohen Altersrenten direkt mit finanzieren müssten. Leider hat er Recht, was die Altersvorsorge mit Versicherungen betrifft, und findet bei Politikern entsprechend offene Ohren.

Ich würde mich hingegen schämen, wenn die Profond Vorsorgeeinrichtung die verlangte, minimale Wertschöpfung zur Ausfinanzierung der gesetzlichen Minimalrenten nicht erreicht hätte. Profond könnte den Umwandlungssatz dank der Durchschnittsrendite von 7,1% locker auf 7,5% erhöhen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Ertrag der letzten 16 Jahre bei gleich bleibender Anlagestrategie auch über die nächsten 16 Jahre erreicht wird, ist einiges höher, als dass die Swiss Life dann noch existiert.

Der technische Zins von 4% und der Umwandlungssatz von 7,2% sind damit genügend abgesichert. Dass die Rentner nicht um ihre einmal gewonnene Altersleistung bangen und sich gegenüber den Jungen nicht schämen müssen, zeigt der Vermögensverlauf einer laufenden Rente im Vergleich zum Deckungskapital.

Rentenphase

1991: Beginn Rente (AR) im Alter 65
AR = AGH = CHF 500'000.– x 7,2%
DK = AGH x 7,2% / 6,8% = CHF 529'412.–
(vgl. Graphik)

Das 1991 für Renten zurückgestellte Vermögen ist heute noch fast unverändert hoch. Profond konnte darum die laufenden Renten regelmässig – im Jahresdurchschnitt um 1,2% – nach oben anpassen. Bei uns dürfen Rentner getrost und ohne Scham älter werden und ihren Lebensabend ungestört geniessen: Und am Ende werden die Jungen noch von den verbleibenden Vermögensteilen profitieren.

Verlauf von Altersguthaben, Deckungskapital und Vermögen von 1991 bis 2006

Rentenphase

Ende


Bot-Test (leave blank):

Kommentar schreiben







  Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte schreiben Sie die 2 Worte unterhalb mit einem Abstand getrennt in das vorgesehene Feld. Sie helfen uns damit, die Spamflut einzudämmen. Falls Sie die Worte nicht richtig lesen können, Klicken Sie auf die oberste der drei blauen Schaltflächen und Sie erhalten ein neues Wortpaar.

Wir behalten uns vor, einen Kommentar nicht zu veröffentlichen, wenn er ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder themenfremd ist. Beiträge unter Phantasie- oder offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Bitte halten Sie sich an die Sprache des Artikels – keine Mundart. Ihr Beitrag wird von uns nicht redaktionell bearbeitet. Über Entscheide wird nicht korrespondiert.



0 Kommentare