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50 Prozent höhere Altersrenten sind möglich

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 27. August 2010. Link stocks.

Pensionskassen können ihren Auftrag mit risikoarmen Finanzprodukten, wie Geldmarktanlagen, Obligationen und den darauf basierenden Derivaten, niemals erfüllen. Zur Generierung kaufkrafterhaltender Rentenleistungen, dem originären Ziel der BVG-Gesetzgebung, müssen Pensionskassen Aktien halten und mit der Beteiligung an innovativen und wertschöpfenden Unternehmen an der Entwicklung der lokalen und globalen Wirtschaft teilhaben.

Das Ertragspotenzial und die damit verbundenen Anlagerisiken sind untrennbar mit der Haltedauer der Anlagen verknüpft. Die Schwankungsrisiken verschiedener Anlagevehikel korrelieren hochgradig mit der Zeit. Während auf einjähriger Basis beträchtliche Unterschiede beobachtet werden, bewegen sich die Volatilitäten der Basisanlagen ab Haltezeiten von 30 Jahren in sehr schmalen Bandbreiten: Ihre Standardabweichungen tendieren unter ein Prozent und können aus wirklich langfristiger Sicht bei der Allokation der Portfolios weitgehend vernachlässigt werden.

Garantiert lange Anlagehorizonte lassen die Portfoliostrukturen auf langfristige Renditeerwartungen ausrichten. Auf lange Sicht rentierten Aktien, Immobilien und Obligationen im schweizerischen Vergleich mit 8 Prozent, 6,5 Prozent bzw. 4,5 Prozent. Diese Renditeunterschiede sind weltweit noch viel ausgeprägter. Mit Aktien wurden seit 1900 nominell fünfmal mehr Erträge erzielt als mit Obligationen. Auf realer Basis haben wichtige Wirtschaftsländer wie Japan, Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien mit Obligationen und Geldmarktanlagen seither mit negativen Renditen sogar Werte vernichtet.

Pensionskassen berechnen ihre Leistungen anhand von technischen Zinssätzen, die sich an der langfristig erwarteten Rendite orientieren. Ein adäquates Risikomanagement muss daher in erster Linie die langen Anlagefristen sicherstellen, indem beispielsweise natürlich gegebene Solidaritäten erhalten und nicht individuellen Besitzansprüchen oder unangemessenen Regulierungsvorgaben geopfert werden.

Heute gilt der Index «Pictet BVG-25 plus» als anerkannte Benchmark, obwohl die aktuelle durchschnittliche Allokation der Pensionskassen je eine rund zehn Prozentpunkte höhere Aktien- und Immobilienquote aufweist. Trotzdem drängen gewisse Kreise mit Hinweis auf kurzfristige Volatilitäten sogar auf eine weitere Reduktion der technischen Zinssätze und möchten diese dem momentan sehr tiefen Zinsniveau angleichen. Damit setzen sie den Vorsorgeeinrichtungen ein falsches, ja sogar gefährliches Signal. In einer historisch einmaligen Tiefzinsphase liegen auch die kurzfristigen Anlagerisiken mehr bei den hoch bewerteten und schwach rentierenden Nominalwert-Anlagen als bei den tief bewerteten und hoch rentierenden Realanlagen. Aktien haben den Grossteil ihres zyklischen Abschwungs bekannterweise im vergangenen Jahrzehnt bereits hinter sich gebracht.

Um dieser verkehrten Risikowahrnehmung sowie der in der beruflichen Vorsorge artfremden Kurzfristigkeit nicht weiter Vorschub zu leisten, sollten die minimalen Referenzzinssätze zumindest auf die aktuelle durchschnittliche Anlagestrategie fokussiert werden. Bereits der als Referenz-Portfolio benutzte Mix mit 25 Prozent Aktien und 75 Prozent festverzinslichen Anlagen lässt einen technischen Zinssatz von 4,4 Prozent nachhaltig erwirtschaften. Chancenreichere Portfoliozusammensetzungen mit längerfristiger Ausrichtung vermögen diesen Satz klar zu übertreffen.

Für Pensionskassen ist der konstante Einsatz von ertragsstarken Anlagevehikeln unabdingbar. Reale Kaufkraft-Erhaltung kann mit Nominalwerten sowieso nicht erzielt werden. Mit einem erhöhten Aktien- und Immobilienengagement eröffnet sich ein beträchtliches Steigerungspotenzial. Die Verschiebung der aktuellen durchschnittlichen Portfoliostruktur zugunsten von Aktien und Immobilien kann Effizienz und Sicherheit der betrieblichen Altersvorsorge massgeblich und nachhaltig verbessern. Eine Umkehr der anerkannten Benchmark auf 75 Prozent Aktien und 25 Prozent festverzinsliche Anlagen würde zu einem technischen Zinssatz von über 6 Prozent führen. Bereits mit 5 Prozent könnten die Altersrenten trotz zunehmender Laufzeiten gegenüber heute um mindestens die Hälfte erhöht werden.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück

 


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