Warren Buffett als Vorbild nehmen
Pensionskassen müssen langfristig investieren
Impressum: Interview von Jürg Sigrist mit Herbert Brändli (Details) – Artikel in Aargauer, Basellandschaftliche und Solothurner Zeitung, 4. September 2010, Seite 12/13. Mit vorhandener Genehmigung.
Das Thema Pensionskassen löst entweder Panik oder volle Zufriedenheit aus – je nach Deckungsgrad der Kasse. Aus Sicht von Pensionskassen-Experte Herbert Brändli ist diese kurzfristige Sichtweise verfehlt: Pensionskassen müssen an den Erträgen teilhaben, die in der realen Wirtschaft über Jahrzehnte geschaffen werden.
Herr Brändli, der Mindestzinssatz für Pensionskassengelder soll bei 2 Prozent bleiben. Das empfiehlt die BVG-Kommission dem Bundesrat. Bundesobligationen rentieren aber nur ein gutes Prozent. Wie können Pensionskassen ihren Auftrag erfüllen?
Herbert Brändli: Die Pensionskassen brauchen langfristig mindestens vier bis 5 Prozent Ertrag pro Jahr. Das ist mit den heutigen Tiefzinsen natürlich nicht zu erreichen, zumal sich auch die Aktienmärkte seit zehn Jahren in einer Korrekturphase befinden. Die jüngste Entwicklung der Kapitalmärkte zeigt auf: Pensionskassen können ihren Leistungsauftrag nur erfüllen, wenn sie wirklich langfristig investieren.
Was heisst langfristig?
Brändli: Der gesamte Zyklus von der ersten Beitragszahlung bis zum Tod eines Versicherten dauert etwa 60 Jahre. Pensionskassen haben mithin einen Anlagehorizont von 50 Jahren und darüber. Deshalb kann man klar sagen: Nicht zuletzt wegen der ewigen Diskussion um die jeweiligen Deckungsgrade und die Jahresergebnisse operieren die Pensionskassen aus der Sicht ihrer extrem langfristig angelegten Vorsorgeversprechen viel zu kurzfristig.
Was bedeutet der extrem langfristige Anlagehorizont für die Kapitalanlage?
Brändli: Pensionskassen müssen an den Werten und Erträgen teilhaben, die in der realen Wirtschaft über die Jahrzehnte geschaffen werden. Das geschieht über Investitionen in die Sachwerte der Wirtschaft wie Immobilien und Unternehmen. Wie man das erfolgreich macht, zeigt beispielsweise der «beste Investor der Welt», Warren Buffett, seit Jahrzehnten: erfolgversprechende Branchen und Unternehmen aussuchen und dann langfristig in diese investieren.
Aber heute machen viele Pensionskassen gerade das Gegenteil: Sie meiden Einzelaktien und kaufen Indexprodukte. Was ist davon zu halten?
Brändli: Ich bin kein Freund des Indexanlegens. Mit einem Index muss ich auf Firmen setzen, die ich nie anschauen würde. Es bleibt dabei: Die Pensionskassenverantwortlichen müssen die notwendigen Erträge über langfristige Investitionen in erfolgreiche Unternehmen sicherstellen.
Was halten Sie von Hedge Funds und strukturierten Produkten?
Brändli: Ob diese Produkte für risikofreudige Investoren gut oder schlecht sind, will ich hier nicht beurteilen. Aber eines ist klar: Hedge Funds und strukturierte Produkte sind für Pensionskassen nicht geeignet. Die Kassen dürfen sich nicht dem kurzfristigen Hin und Her auf den Finanzmärkten ausliefern.
Worauf ist bei Pensionskasseneinkäufen besonders zu achten?
Brändli: Pensionskasseneinkäufe werden heute mehr und mehr zur optimalen persönlichen Finanz- und Steuerplanung eingesetzt. Das ist eine Tatsache, auf die sich die Pensionskassen einstellen müssen – beispielsweise im Bereich der Liquiditätsplanung. Wer einen Einkauf tätigen will, muss auf jeden Fall die Gefahr einer Teilliquidation seiner Kasse abklären und das Teilliquidationsreglement studieren. Der Grund: Wird eine untergedeckte Kasse teilliquidiert, kann das geäufnete persönliche Alterskapital im Ausmass der Unterdeckung gekürzt werden.
Ist das nicht ungerecht?
Brändli: Klar, das ist ungerecht. Betroffene Versicherte sollten darum gemeinsam mit ihren Vertretern in den Pensionskassenorganen und der Pensionskassenleitung nach Lösungen suchen. Ein Verlust kann vermieden werden, wenn Versicherte mindestens bis zur Beseitigung der Unterdeckung in der Pensionskasse verbleiben können.
Herbert Brändli ist eidg. dipl. Pensionskassenversicherungsexperte und Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG in Thalwil. In Zusammenarbeit mit dem IfFP Institut für Finanzplanung (www.iffp.ch).
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