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Rentner liegen wie sie sich betten

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 25. Februar 2011. Link stocks.

Die Jungen von heute sind die Alten von Morgen. Im Ruhestand liefert ihnen die 1. Säule gewissermassen die Bettstatt. In der 2. Säule müssen sie sich selber nach der Decke strecken. Wie das geht, zeigen weniger theoretische Modelle als die praktische Erfahrung.

Mit dem Umlageverfahren wird es immer schwieriger, den Alten eine Bettstatt bereitzuhalten, weil immer weniger Junge immer mehr Alte bedienen müssen. Glücklicherweise bleiben den Jungen 40 Jahre für die Vorbereitung eines massgeschneiderten Bettzeugs, das immer länger halten muss, weil sie immer länger leben. Die meisten finden sich dazu in Pensionskassen zusammen, wo sie gemeinsam auf dieses Ziel hinarbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Andere überlassen die Gestaltung der Altersvorsorge Versicherungsgesellschaften, warten ab und nehmen dann was sie noch bekommen.

Pensionskassen verwalten sich in eigener Verantwortung. Experten und Berater eilen ihnen zu Hilfe und halten für die Gestaltung des Innenlebens komplexe Modelle bereit. Diese beruhen auf Annahmen der Durchschnittswelt. Darum weichen die Resultate der heterogenen Kassen immer von den eingesetzten Modellen ab. Entgegen populistischer Meinungsmache können diese höchstens vage Vorstellungen über künftige Entwicklungen, aber sicher nie Sicherheit vermitteln. Diese trivialen Zusammenhänge konnten den Regulator nicht davon abhalten, das Volk über den Umwandlungssatz abstimmen zu lassen. Das überwältigende Nein hat den verallgemeinernden staatlichen Annahmen über Lebenserwartung und Zinsen gegolten und war kein Misstrauen gegenüber Pensionskassen und der 2. Säule.

Weil gesetzlich verankert, kommt dem BVG-Modell besondere Bedeutung zu. Es verschreibt ein Muster-Bettzeug, das aus Alters- und Zinsgutschriften, sowie dem Umwandlungssatz zusammengestellt ist. Damit modellierte Renten definieren die minimale Ausstattung. Die staatlichen Modellbauer geben vor, die erzielbaren Erträge zu kennen, mit denen sie dann die vermuteten Laufzeiten der Renten garantieren wollen. Hiezu konstruieren sie einen ökonomischen Deckungsgrad mit risikolosen Erträgen, meinen aber konkret ertragslose Risiken. Klar, dass in ihrem Modell die Laken dünner werden, wenn die Alten länger leben. Es simuliert Verhältnisse der 1. Säule und bietet kurzlebige Nagelbretter feil. Diese Modelle reduzieren das Kapitaldeckungs- auf ein Umlageverfahren und stellen damit Sinn und Daseinsberechtigung von Pensionskassen grundsätzlich in Frage.

Ein nachträglicher Vergleich der Modell-Prognosen mit der Wirklichkeit bestätigt, dass die Laken in der 2. Säule trotz steigender Lebenserwartung nicht dünner werden müssen. Am Beispiel der Sammelstiftung Profond werden stellvertretend modellmässige und tatsächliche Entwicklungen nebeneinander gestellt. Diese Vorsorgeeinrichtung gewährte einem Aktiven, der vor 20 Jahren pensioniert wurde, für ein Altersguthaben von 500'000 Franken mit einem Umwandlungssatz von 7,2 Prozent eine Jahresrente von 36'000 Franken.

Im BVG-Modell wird dieses Altersguthaben monatlich um 3000 Franken reduziert und jährlich um den technischen Zins von 4 Prozent erhöht. Nach 18 Jahren ist es aufgebraucht. Ab dem Alter 83 wäre für diesen Rentner nichts mehr vorhanden gewesen. Er hätte von Kassenüberschüssen dank frühzeitig Verstorbener oder Beiträgen von Jungen leben müssen. Letzteres wird von den Totengräbern der 2. Säule gerne als einzige Wahrheit verkauft und mit der ultimativen Forderung nach Leistungsreduktionen verbunden.

Auch bei Profond wird das Altersguthaben monatlich um die Rente reduziert. An Stelle der technischen Verzinsung wird es hingegen um die tatsächlich erwirtschafteten Erträge erhöht. Es hat so Ende 2010 noch 306'212 Franken betragen, obwohl die Rente in mehreren Schritten von 36'000 Franken auf 42'537 Franken angehoben wurde. Bei Profond dürfen die Rentner auch im stolzen Alter von 85 Jahren noch lange ohne schlechtes Gewissen leben. Sie werden dereinst der nachfolgenden Generation ein schönes Polster hinterlassen, vorausgesetzt, dass diese nicht vorher das von ihnen gemachte Nest mit modellgetreuen, garantiert ertragslosen Hochrisikoanleihen und Versicherungen versaut.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück

 


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